Bausparvertrag sinnvoll

Ist ein Bausparvertrag sinnvoll?

Du bist dir nicht ganz sicher, wie sinnvoll ein Bausparvertrag für dich ist?

Dann kannst du jetzt beruhigt weiterlesen. Denn genau diese Frage soll der folgende Artikel für dich aufklären.

Neben Analysen von Fonds gehört es auch zur Aufgabe von inflationaer.com, andere Finanzprodukte aus dem Alltag unter die Lupe zu nehmen. Schließlich ist es unsere Mission, den Endverbrauchern die Arbeit abzunehmen und für sie genau hinzusehen.

Damit es letzten Endes eine tatsächliche Win-Win-Situation geben kann und der Endverbraucher nicht unnötig draufzahlt.

In diesem Artikel erfährst du unter anderem:

  • Für wen ein Bausparvertrag sinnvoll ist und für wen nicht.
  • Wie ein Bausparer eigentlich funktioniert.
  • Gute Bausparverträge im Vergleich.
  • Alternativen zum klassischen Bausparen.

Disclaimer: Selbstverständlich handelt es sich hierbei in keinster Weise um eine Anlageberatung. Jeder Leser dieses Artikels ist zu Eigenverantwortung verpflichtet und muss selbst die Entscheidungen treffen.

Es werden hier gute Bausparverträge vorgestellt. Das bedeutet aber nicht, dass du als Leser deshalb einen davon abschließen solltest.

Das Wichtigste gleich vorweg: 

Ein Bausparvertrag ist tatsächlich nur für die allerwenigsten Personen sinnvoll!

Für wen sich das alteingesessene Finanzprodukt noch lohnt erfährst du weiter unten.

Kurzer Überblick zu Bausparverträgen

Die Funktionsweise eines Bausparvertrages ist schnell erklärt:

Angenommen du beschließt, in den nächsten 5-10 Jahren ein Haus zu kaufen. Dann kannst du dich bei einer Bausparkasse für dieses Finanzprodukt melden. Zuerst wird ein Sparvertrag (daher auch der Begriff “Bausparvertrag”) mit dem Finanzinstitut abgeschlossen. Dabei wird aus deinen monatlichen Einsparungen und der Zielsparsumme (= wie viel du am Ende angespart haben willst) ein Guthabenszinssatz errechnet.

Aufgrund des Guthabenzinssatzes kalkuliert die Bausparkasse dann den ungefähren Zeitpunkt – meist in den nächsten 4 bis 10 Jahren – an dem die Zielsparsumme erreicht sein sollte. Diese Berechnung ist aber in keinster Weise verbindlich für das jeweilige Finanzinstitut. Mit anderen Worten kann es auch sein, dass die Realität schlechter für den Verbraucher aussieht – selten sieht sie besser aus.

Ein genaues Datum, wann die Auszahlung der Zielsparsumme erfolgen wird, bekommst du allerdings nicht. Dazu ist die Bausparkasse auch gar nicht befugt.

Nachdem du dann deinen angemessenen Zeitraum brav gespart hast und endlich deine wohlverdiente Auszahlung bekommst, bietet dir die Bausparkasse ein günstiges Bauspardarlehen mit fixen Zinsen an. Das Darlehen gilt dabei für die exakt selbe Summe, wie deine vorherige Zielsparsumme.

So weit, so gut.

Das Modell Bausparvertrag ist im deutschsprachigen Raum gelinde ausgedrückt sehr beliebt. 

Laut Statista gab es im Jahr 2019 allein in Deutschland mehr als 26 Millionen Bausparverträge bei Bausparkassen.

Anzahl der Bausparverträge in Deutschland
Bausparverträge in Deutschland von 2010-2019 (in 1.000).
Quelle: Statista.com

In Österreich waren es im selben Jahr den Zahlen der Österreichischen Nationalbank zufolge über 4 Millionen Bausparer – was im Verhältnis zur gesamten Bevölkerung sogar mehr als in Deutschland ist.

Hinweis: Dieser Artikel bezieht sich auf Bausparer in Deutschland. Bausparverträge funktionieren in Deutschland ein wenig anders als in Österreich. 

Wenn bereits so viele Menschen darauf vertrauen, muss doch etwas am Mythos Bausparer dran sein, oder?

Nicht ganz. Mehr dazu erfährst du im nächsten Punkt.

Für wen ist ein Bausparvertrag sinnvoll?

Laut Gerd Kommer ist ein Bausparvertrag nur für jene Personen sinnvoll, “die (a) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den nächsten zehn Jahren eine Wohnimmobilie im Inland erwerben und finanzieren wollen, (b) keinen Nachteil erleiden, wenn die Finanzierung ein Jahr früher oder später als erwartet erfolgt, und (c) zugleich der Meinung sind, dass das Immobilienzinsniveau für etwa zehnjährige Zinsbindungen zum voraussichtlichen Zuteilungszeitpunkt des Bausparvertrages in der Größenordnung von 9 Prozent p.a. oder höher liegt.”

Das Zitat stammt aus dem Buch „Kaufen oder Mieten?“ von Gerd Kommer, welches sich eigentlich mit der Frage beschäftigt, ob sich ein Eigenheim oder ein Mietobjekt mehr lohnt. Allerdings wird in dem sehr empfehlenswerten Buch auch auf das Thema Bausparen eingegangen, weshalb wir es hier zitieren.

Diesen Satz muss man erst mal etwas sacken lassen. Wir mussten ihn bei der Lektüre von “Kaufen oder Mieten?” auch mehrmals lesen.

Übrigens haben wir diese Zusammenfassung von Gerd Kommer genommen, weil sie perfekt in einem (sehr langen) Satz auf den Punkt bringt, für wen sich das Finanzprodukt lohnt oder eben nicht.

Nehmen wir die Aussage Stück für Stück auseinander, um einfach zu erklären, warum ein Bausparer nur für diese schmale Personengruppe in Frage kommt.

  1. Mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten 10 Jahren eine Wohnimmobilie erwerben und finanzieren:
    Wer sowieso nicht vorhat, jemals eine Immobilie zu Wohnzwecken zu kaufen und sie mithilfe eines Darlehens zu finanzieren, braucht auch gar nicht erst an einen Bausparvertrag denken.
    Wie in der Funktionsweise weiter oben schon beschrieben, bekommt man im Anschluss an die Spardauer im Gegenzug ein besonders günstiges Darlehen der Bausparkasse. Und da die Zielsparsumme für gewöhnlich innerhalb der nächsten 10 Jahre erreicht ist, eignet sie sich direkt für eine Anzahlung der Immobilie.

  2. Keinen Nachteil erleiden, wenn die Finanzierung ein Jahr früher oder später erfolgt:
    Der Grund hierfür ist, dass die Bausparkasse kein exaktes Datum angeben darf, an dem die Auszahlung der Zielsparsumme erfolgen wird.
    Tatsächlich kann die Auszahlung schon ein Jahr früher als ursprünglich errechnet kommen. Im ungünstigeren Fall, kann sie sich aber auch um ein ganzes Jahr hinauszögern.
    Wer nun darauf setzt, zu einem bestimmten Termin z.B. mit dem Hausbau zu beginnen, kann somit in Zahlungsschwierigkeiten gelangen. Eine Situation, die eigentlich jeder tunlichst vermeiden möchte.

  3. Das Immobilienzinsniveau für zehnjährige Bindungen im Bereich von 9% p.a. oder höher:
    Dieser Punkt spielt darauf an, dass man eigentlich einen besseren Deal als Verbraucher machen würden, wenn man statt einem Bausparvertrag einen ganz normalen Kredit zur Finanzierung einer Immobilie abschließen würde.
    Die vermeintlich niedrigen Zinsen beim Bauspardarlehen sind in Wirklichkeit nämlich höher als sie im ersten Moment aussehen.
    Mehr dazu im nächsten Punkt.

Lohnt sich ein Bausparer von den Zinsen her?

Hier muss man zwischen den Zinsen für die Ansparphase und die Zinsen für das Bauspardarlehen unterscheiden. In beiden Fällen lohnt sich ein Bausparvertrag nicht wirklich, im Vergleich zu anderen Alternativen.

Grund dafür ist nicht nur, dass die Sparzinsen (Guthabenzinsen), während der Sparphase niedrig sind. Es geht vielmehr, um die Gebühren, die in diesem Anfangszeitraum bereits anfallen.

Die (versteckten) Kosten eines Bausparvertrages

Kleine Vorwarnung: Falls du bei den Kosten von Bausparverträgen noch nie genau hingesehen hast, solltest du dich jetzt besser hinsetzen.

Wenn du einen Bausparer abschließt wird immer die gesamte Bausparsumme – also Zielsparsumme + Bauspardarlehen – betrachtet. Auf diese gesamte Summe bezahlst du bei Unterzeichnung des Vertrags eine Abschlussgebühr. 

Meistens fällt diese in Höhe von 1 – 1,5 Prozent aus. Wie gesagt, auf die komplette Bausparsumme!

Also bezahlst du selbst dann eine Gebühr auf die gesamte Bausparsumme, wenn du eigentlich nur vorhattest den Bausparer zum Sparen zu nutzen.

Als wäre das noch nicht genug, kommt es sogar noch schlimmer.

Für gewöhnlich ziehen einem die Bausparkassen diese Abschlussgebühr gleich zu Beginn der Vertragszeit ab. Du startest demnach schon mal richtig schön mit einer Minusposition in die Zukunft.

Um diese Kosten wieder gut zu machen, müsste eine ordentliche Guthabenverzinsung vorliegen. Leider können die Bausparkassen auch hier nicht sonderlich glänzen.

In unserem Vergleich zwischen den bekanntesten Bausparkassen Deutschlands war der durchschnittliche Guthabenzinssatz unter 0,2 Prozent.

Selbst nach einer Spardauer von 10 Jahren hättest du damit immer noch nicht die volle Abschlussgebühr wieder drin!

Du machst schon in der Sparphase eine Minusgeschäft.

Für die Erträge aus den Guthabenzinsen fallen unter Umständen sogar noch Steuern (wie Kapitalertragssteuer oder Kirchensteuer) an. Manche Bausparverträge können steuerlich abgesetzt werden – wie zum Beispiel riestergeförderte – aber hier ist nicht jede Situation gleich. Du berätst dich hier besser mit einem Steuerberater.

Selbstverständlich sind die Darlehenszinsen für das anschließende Bauspardarlehen höher, als die mickrigen Guthabenzinsen – andernfalls wäre es auch kein gutes Geschäft für die jeweilige Bausparkasse.

Sogar die Verbraucherzentrale hat in einem sehr guten Artikel vorgerechnet, dass Bausparverträge kein gutes Geschäft für die Sparer sind. Dafür aber umso besser für die Bausparkassen!

Bausparer im Vergleich

Wir wollen dich als Leser natürlich nicht in der Luft hängen lassen. Vielleicht bist du ja ein treuer Bausparfan uns suchst nur nach einem kurzen Vergleich zwischen den besten Bausparverträgen.

Dann ist dieser Punkt genau der richtige für dich.

Wir haben uns die Recherchearbeit gemacht, damit du sie dir nicht mehr machen musst.

Die folgende Tabelle spiegelt lediglich unsere eigenen Meinungen wieder. Sieh sie also nur als Richtwert für mögliche Entscheidungen an – beachte an dieser Stelle unseren Disclaimer in der Einleitung!

Darüber hinaus sind wir bei den genannten Bausparkassen keine Kunden. In unsere Entscheidungen sind also keine Faktoren wie Kundensupport oder ähnliches gefallen.

ProduktMindestbauspar-summeGuthaben-verzinsungAbschluss-gebühreffektiver Jahreszinssatz
Wüstenrot Wohnsparen Kompakt10.000 Euro0,2%1%2,49%
Schwäbisch Hall FuchsImmo1 (XL04)10.000 Euro0,1%1%2,21%
Signal Iduna F405.000 Euro0,5%1 – 1,6%3,06 – 4,02%
start bausparkasse F110.000 Euro0,1%1,6%2,6 – 3,09%

Jede Bausparkasse hat mehrere Tarife, um den verschiedensten Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden. Unsere Tabelle zeigt daher die Basismodelle der jeweiligen Anbieter.

Eine kurze Recherche zeigt, dass die meisten Bausparkassen auch Premium Tarife oder ähnliches anbietet.

Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen haben wir uns daher für die kleineren Pakete entschieden.

So sind wir bei unserem Vergleich vorgegangen:

Zuerst war es gar nicht so einfach, als Interessent an die wichtigen Informationen aller Produkte zu kommen.

Manche Bausparkassen machen es einem als potentieller Kunde gar nicht so einfach nur über das Internet die Tarife miteinander zu vergleichen. Unserer Meinung nach eher ein No-go, da es wie ein billiger Versuch wirkt, etwas zu verheimlichen.

Die folgenden Kriterien waren uns bei der Recherche am wichtigsten:

  • Mindestbausparsumme
    Je niedriger, desto besser. Nicht jeder Anleger möchte sich direkt auf 50.000 Euro oder mehr festlegen.
  • Guthabenzinsen
    Je höher, desto besser. Als Endverbraucher wollen wir möglichst viel für unser hart erspartes Geld bekommen.
  • Abschlussgebühr
    Diese liegt immer bei 1 oder 1,6 Prozent. Uns sind natürlich jene Tarife lieber, die nur 1% verlangen.
  • Darlehenszinsen (Effektivzinssatz)
    Viele Bausparkassen rühmen sich mit niedrigen Sollzinssätzen. Schön und gut. Uns interessiert aber ein möglichst geringer effektiver Jahreszins.

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass die Tarife mit höheren Guthabenzinsen auch höhere Effektivzinssätze für die Darlehensphase. Irgendwie muss das Finanzinstitut sein Geld auch wieder reinbekommen.

Lass dich deshalb nicht blenden, wenn dir ein Berater von riesigen Guthabenzinsen bei seinem Bausparvertrag vorschwärmt. Es gibt immer einen Haken. Zumindest so viel wissen wir mittlerweile.

Alternativen zum Bausparvertrag

Nach all dem Bashing ist es nun an der Zeit ein paar attraktive Alternativen zu diesem traditionsreichen Finanzprodukt aufzuzählen.

Wer einen Bausparvertrag lediglich zum Ansparen einer bestimmten Summe nutzt, kann eigentlich so gut wie jedes andere Finanzprodukt bevorzugen. Bei kaum einem anderen Produkt sind so hohe Gebühren gleich zu Beginn fällig, bei so niedrigen Zinsen.

Ein einfaches Tagesgeldkonto oder ein extrem diversifizierter Wertpapiersparplan (wie z.B. in den Arero Weltfonds) sind hier gute Alternativen zum Bausparer.

Wenn du allerdings auf jeden Fall vorhast, auf jeden Fall innerhalb der nächsten 10 Jahre eine Immobilie zu kaufen bzw. mittels Kredit zu finanzieren könntest du genauso gut ein herkömmliches Darlehen aufnehmen.

Alternativen zum Bausparer
Ein paar attraktive und langfristige Alternativen zum Bausparer als reines Sparprodukt.

Der Vorteil bei diesem selbst zusammengestellten Modell ist außerdem, dass man die Kontrolle darüber hat, zu welchem Zeitpunkt man die Auszahlung und das Darlehen haben möchte.

Vergessen wir nicht die Zusammenfassung aus Punkt 2 für wen ein Bausparvertrag sinnvoll ist. Im Grunde sollte sich jeder über derartige Alternativen Gedanken machen, der nicht in diese sehr schmale Kategorie fällt.

Zusammenfassung

Im Moment nutzen viele Menschen im deutschsprachigen Raum einen Bausparvertrag, obwohl er eigentlich gar nicht sinnvoll für sie wäre. 

Das größte Problem unserer Ansicht nach sind die hohen Gebühren und viel zu niedrigen Guthabenzinsen, die man beim Bausparen erhält. Jeder Endverbraucher könnte sich mit Leichtigkeit sein eigenes Paket zusammenstellen, würde dabei ein ähnliches Ergebnis, aber wesentlich weniger Kosten haben.

Kein Wunder also, dass der Trend bei Bausparern über die letzten Jahre immer weiter nach unten geht. Offenbar nutzen die Menschen immer mehr die Möglichkeit des Internets zur Recherche und um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Solltest du dennoch zu der sehr kleinen Gruppe an Personen gehören, für die sich ein Bausparer lohnt oder einfach ein unverbesserlicher Bauspar-Optimist sein, zeigt dir unser Vergleich zwischen den einzelnen Produkten weiter oben, wo du einsteigen kannst.

In jedem Fall wünschen wir dir nur das Beste mit deiner Entscheidung!

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